{"id":7640,"date":"2014-08-13T12:15:17","date_gmt":"2014-08-13T10:15:17","guid":{"rendered":"\/?p=7640"},"modified":"2025-10-10T14:17:59","modified_gmt":"2025-10-10T12:17:59","slug":"immendorff-kopie-muss-nicht-vernichtet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/immendorff-kopie-muss-nicht-vernichtet-werden\/","title":{"rendered":"Immendorff-Kopie muss nicht vernichtet werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach aktueller Entscheidung des Oberlandesgerichts D\u00fcsseldorf muss das vermeintliche Immendorff-Gem\u00e4lde \u201eReady-Made de l\u00b4Histoire dans Caf\u00e9 de Flore&#8221; nicht vernichtet werden. Auch die Verbreitung des Werkes ist nach Auffassung des Gerichts rechtm\u00e4\u00dfig.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Witwe des im Jahr 2007 verstorbenen <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/services\/beratung-kunstrecht\/\">K\u00fcnstlers<\/a> J\u00f6rg Immendorff entdeckte im Mai 2008 in einer D\u00fcsseldorfer Repr\u00e4sentanz eines Wiener Auktionshauses das Gem\u00e4lde \u201eReady-Made de l\u00b4Histoire dans Caf\u00e9 de Flore&#8221;, welches sich dort zum Zwecke der Versteigerung befand. Im Auktionskatalog war eine Kopie des Werkes abgebildet mit dem Verweis auf den verstorbenen K\u00fcnstler. Das Originalwerk aus dem Jahr 1987 hat abweichende Ma\u00dfe und befindet sich in Neuseeland. Die Witwe hielt das Werk f\u00fcr eine nicht autorisierte Kopie und forderte im Rahmen ihrer <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/services\/verfolgung-urheberrechtsverletzung\/\">Klage<\/a> die Vernichtung des Werkes. Der beklagte Eigent\u00fcmer der vermeintlichen Kopie behauptete, es handele sich um ein Original, welches er von seinem Bruder erworben habe. Dieser hatte das Gem\u00e4lde im Atelier des K\u00fcnstlers selbst gekauft. Es konnte eine Echtheitsbest\u00e4tigung samt Unterschrift vorgelegt werden. Das erstinstanzliche Gericht hat u.a. aufgrund eines eingeholten Kunstgutachtens der Klage stattgegeben mit der Begr\u00fcndung, dass es sich bei dem Gem\u00e4lde um ein rechtswidrig verbreitetes Vervielf\u00e4ltigungsst\u00fcck des Gem\u00e4ldes \u201eReady-Made de l\u00b4Histoire dans Caf\u00e9 de Flore&#8221; handelt (LG K\u00f6ln, Urteil vom 17.10.2012 \u2013 12 O 473\/08). Dieser Auffassung ist das Berufungsgericht nicht gefolgt.<\/p>\n<p><strong>Decision of the court <\/strong><\/p>\n<p>Durch Berufungsurteil vom 05. 08.2014 hat das OLG D\u00fcsseldorf entschieden (I-20 U 167\/12), dass das vermeintliche Immendorff-Gem\u00e4lde &#8220;Ready-Made de l\u00b4Histoire dans Caf\u00e9 de Flore&#8221; nicht vernichtet werden m\u00fcsse. Die Verbreitung des Werkes sei rechtm\u00e4\u00dfig. Die Gesamtumst\u00e4nde beim Erwerb des Gem\u00e4ldes in Immendorffs Atelier seien als Einwilligung Immendorffs in die Ver\u00f6ffentlichung und Verwertung des Werkes zu bewerten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\" alt=\"\" width=\"413\" height=\"275\" \/><\/a>Eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes d\u00fcrfe ver\u00f6ffentlicht und verwertet werden, sofern der K\u00fcnstler hierzu seine Einwilligung erteilt. Immendorff habe Direktverk\u00e4ufe von Gem\u00e4lden in seinem Atelier durch seine Mitarbeiter zumindest geduldet. Er habe deshalb den Anschein entstehen lassen, er willige in den Verkauf und damit die Ver\u00f6ffentlichung und Verwertung der in seinem Atelier ver\u00e4u\u00dferten Werke als &#8220;seine&#8221; Werke ein. Der K\u00e4ufer habe sich darauf verlassen d\u00fcrfen, selbst wenn der Mitarbeiter im konkreten Fall ein von Immendorff nicht legitimiertes Gem\u00e4lde ver\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte. Dar\u00fcber hinaus fehle es an Anhaltspunkten daf\u00fcr, dass der Erwerber Kenntnis vom Fehlen einer entsprechenden Einwilligung Immendorffs in Bezug auf das konkrete Werk hatte oder h\u00e4tte haben m\u00fcssen. An diesen rechtlichen Umst\u00e4nden m\u00fcsse sich auch\u00a0 Immendorffs Witwe als Erbin festhalten lassen.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob es sich bei dem streitgegenst\u00e4ndlichen Gem\u00e4lde um eine F\u00e4lschung oder um eine Sch\u00f6pfung des K\u00fcnstlers Immendorff selbst handelt, komme es deshalb nicht mehr an. Gleiches gelte f\u00fcr die Frage, ob das beim Kauf \u00fcbergebene &#8220;Echtheitszertifikat&#8221; tats\u00e4chlich von Immendorff stamme<\/p>\n<p>Aus den gleichen Gr\u00fcnden verneinte das Gericht auch den Anspruch der Witwe, das Werk als F\u00e4lschung zu kennzeichnen bzw. Schw\u00e4rzung, alternativ <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/topic\/urheberpersoenlichkeitsrecht\/\">Entfernung der Signatur<\/a> zu verlangen.<\/p>\n<p><strong>Conclusion<\/strong><\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler hat die M\u00f6glichkeit, seine Einwilligung in die Ver\u00f6ffentlichung und Verwertung von unberechtigt hergestellten Kopien seines Werkes zu erteilen. Entsprechende Handlungen sind in diesen F\u00e4llen rechtm\u00e4\u00dfig. Dabei gen\u00fcgt bereits, wenn der K\u00fcnstler <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/services\/beratung-kunstverlagsrecht\/\">Direktverk\u00e4ufe von Kopien seiner Werke<\/a> duldet. Eine ausdr\u00fcckliche Einwilligung ist demnach nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Der Senat hat die Revision nicht zugelassen. Der Witwe des K\u00fcnstlers steht somit nur noch das Rechtsmittel der Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof zu.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach aktueller Entscheidung des Oberlandesgerichts D\u00fcsseldorf muss das vermeintliche Immendorff-Gem\u00e4lde \u201eReady-Made de l\u00b4Histoire dans Caf\u00e9 de Flore&#8221; nicht vernichtet werden. 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