{"id":609,"date":"2010-09-17T15:05:00","date_gmt":"2010-09-17T13:05:00","guid":{"rendered":"\/?p=609"},"modified":"2025-10-13T14:20:31","modified_gmt":"2025-10-13T12:20:31","slug":"bescheissen-gleich-verarschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/bescheissen-gleich-verarschen\/","title":{"rendered":"Beschei\u00dfen gleich Verarschen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im vorliegenden Fall haben sich die Telekommunikationsunternehmen Telekom und Arcor \u00fcber die wettbewerbsrechtliche Rechtm\u00e4\u00dfigkeit einer Werbeaussage gestritten. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main musste dabei entscheiden, ob das \u201eBeschei\u00dfen\u201c von Kunden mit dem \u201eVerarschen\u201c von Kunden gleichzusetzen sei.<\/strong><\/p>\n<p><b><!--more--><\/b>Die Telekom hat im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes beim Landgericht Frankfurt a. M. eine wettbewerbsrechtliche Verbotsverf\u00fcgung gegen seinen Konkurrenten Arcor erwirkt, bei dem Arcor verboten wurde im Rahmen eines gestellten Werbegespr\u00e4ches mit einem potentiellen Kunden im gesch\u00e4ftlichen Verkehr zu behaupten:<\/p>\n<p>(\u2026) wenn der aufgesuchte Kunde lieber der Telekom das Geld in den Rachen werfen wolle &#8211; was zu viel bezahltes Geld sei -, anstatt die g\u00fcnstigen Tarife von Arcor zu nehmen, dann solle er sich halt beschei\u00dfen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Im folgenden verwendete Arcor trotz der ergangenen einstweiligen Verf\u00fcgung anstelle der Formulierung \u201e(..) dann solle er sich halt beschei\u00dfen lassen\u201c die Formulierung \u201e(\u2026) dann solle er sich halt verarschen lassen\u201c. Die Telekom stellte daraufhin umgehend Ordnungsmittelantrag beim LG und dann auch beim OLG Frankfurt auf Basis ihrer erstrittenen Einstweiligen Verf\u00fcgung. Sie war im Gegensatz zu Arcor der Meinung, das \u201eBeschei\u00dfen\u201c und \u201eVerarschen\u201c gleichzusetzen sei.<\/p>\n<p><b>Decision of the court<br \/>\n<\/b>Das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. best\u00e4tigte in seinem <a title=\"OLG FFM, Beschluss vom 22.10.2008 - Az. 6 W 143\/08\" href=\"http:\/\/www.lareda.hessenrecht.hessen.de\/jportal\/portal\/t\/s15\/page\/bslaredaprod.psml?&amp;doc.id=KORE205572009%3Ajuris-r01&amp;showdoccase=1&amp;doc.part=L\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschluss vom 22.10.2008 &#8211;\u00a0Az. 6 W 143\/08<\/a>\u00a0die Vorinstanz und lehnte den Ordnungsmittelanspruch der Telekom ab.<\/p>\n<p>Ein Telekommunikationsunternehmen, welches seine Mitbewerber in einem Werbegespr\u00e4ch mit einem potentiellen Kunden des &#8220;Beschei\u00dfens&#8221; bezichtigt handelt unzul\u00e4ssig. Durch eine solche Aussage entsteht beim Verbraucher der Eindruck, dass der Mitbewerber den Kunden betr\u00fcgt. Ein &#8220;Verarschen&#8221; jedoch erweckt eben diesen herabsetzenden Eindruck nicht. Es ergibt sich vielmehr, dass jemand veralbert oder zum Narren gehalten wird, ohne dass dadurch ein Schaden entsteht.<\/p>\n<p><b>Conclusion<\/b><br \/>\nEin f\u00fcr den Verbraucher erkennbare veralbern des Konkurrenten durch werbem\u00e4\u00dfige \u00dcbertreibungen ist nicht wettbewerbswidrig. Sobald ein Wettbewerber aber \u00fcber seinen Konkurrenten Unwahrheiten oder ernste Beschuldigungen verbreitet, oder auch f\u00fcr den Verbraucher nicht eindeutig erkennbare \u00dcbertreibungen verwendet, wird die Werbeaussage wettbewerbswidrig. Auch hier zeigt sich wieder, dass die Grenzen zur Wettbewerbswidrigkeit flie\u00dfend sind. Hier besteht immer Beratungsbedarf.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im vorliegenden Fall haben sich die Telekommunikationsunternehmen Telekom und Arcor \u00fcber die wettbewerbsrechtliche Rechtm\u00e4\u00dfigkeit einer Werbeaussage gestritten. 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