{"id":5321,"date":"2014-03-25T16:46:04","date_gmt":"2014-03-25T14:46:04","guid":{"rendered":"\/?p=5321"},"modified":"2025-10-10T15:33:26","modified_gmt":"2025-10-10T13:33:26","slug":"ist-es-kunst-oder-kann-das-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/ist-es-kunst-oder-kann-das-weg\/","title":{"rendered":"Ist es Kunst oder kann das weg?"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr ein unge\u00fcbtes Auge l\u00e4sst sich diese Frage h\u00e4ufig nur schwer beantworten. So sind auch Werke von Joseph Beuys wiederholt \u00fcbereifrigen Reinigungskr\u00e4ften zum Opfer gefallen. In den meisten F\u00e4llen einigten sich die Parteien.\u00a0 In einem vergleichbaren Fall hatte nunmehr das Landgericht Heilbronn zu entscheiden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>A <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/services\/beratung-kunstrecht\/\">K\u00fcnstler<\/a> hat eine Bodeninstallation angefertigt und in einer Kirche ausgestellt. Bei der Bodeninstallation handelte es sich um 64 quadratische Platten in schwarz und wei\u00df, auf denen ein Gedicht des K\u00fcnstlers angebracht war. Das Kunstwerk war mittels doppelseitigen Klebebands am Kirchenboden befestigt. Es \u00a0war Teil einer 6-w\u00f6chigen \u00a0Ausstellung im benachbarten Schloss.<\/p>\n<p>Als der K\u00fcnstler zwei Monate nach Ausstellungbeginn seine Arbeit abholen wollte, hat er diese allerdings nicht mehr vorgefunden. Wie sich herausstellte, hat der \u00fcbereifrige Me\u00dfner der Kirche die Arbeit zwischenzeitlich mit Hilfe von L\u00f6sungsmittel und Spachtel entfernt und entsorgt. Sowohl die Kirche als auch deren Versicherung waren uneinsichtig und weigerten sich, den vom K\u00fcnstler auf \u20ac 5.000 bezifferten Schaden zu ersetzen. Auch auf die Klage des K\u00fcnstlers zeigten die Kirche und der Me\u00dfner wenig Verst\u00e4ndnis. So wurde u.a. f\u00e4lschlicherweise vorgetragen, dass der K\u00fcnstler nie beabsichtigt habe, die Arbeit nochmals zu verwenden. Dies sei auch nicht m\u00f6glich gewesen, da das Kunstwerk nicht besch\u00e4digungsfrei h\u00e4tte vom Boden gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Im \u00dcbrigen sei dem K\u00fcnstler kein Schaden entstanden, schlie\u00dflich k\u00f6nne er die Arbeit jederzeit wiederherstellen.<\/p>\n<p><strong>Decision of the court<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem das Gericht zun\u00e4chst ein Sachverst\u00e4ndigengutachten \u00fcber die Abl\u00f6sbarkeit des Werkes \u00a0und ein weiteres \u00fcber dessen Wert eingeholt hat, entschied es schlie\u00dflich mit Urteil vom 13.03.2014 (2 O 72\/12 Le), dass die Beklagten gesamtschuldnerisch den Schaden des Kl\u00e4gers in H\u00f6he von \u20ac 4.500 sowie die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten hieraus zu ersetzen haben.<\/p>\n<p>Auch dem Gericht war nicht klar, mit welcher Begr\u00fcndung der Me\u00dfner die Arbeit eigenm\u00e4chtig abgebaut\u00a0 hat, ohne den K\u00fcnstler vorher zu informieren.<\/p>\n<p>Das Kunstwerk sei weder durch Verbindung mit dem Kirchenboden noch aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Parteien in das Eigentum der Kirche \u00fcbergegangen, sodass der K\u00fcnstler Eigent\u00fcmer seiner Installation geblieben sei.<\/p>\n<p>Der Schaden entfalle auch nicht aufgrund der M\u00f6glichkeit des K\u00fcnstlers, eine Kopie des Werkes herzustellen. Bei der entsorgten Installation handele es sich um ein Original, dass allenfalls h\u00e4tte kopiert, nicht aber wieder als Original h\u00e4tte hergestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei der H\u00f6he des Schadens hat sich das Gericht an der von der Kunstsachverst\u00e4ndigen ermittelten Wertspanne zwischen \u20ac 3.500 und \u20ac5.500 orientiert. Dabei hat das Gericht angemerkt, dass die Ermittlung einer Preisspanne angesichts der Zusammenfassung der Sachverst\u00e4ndigen, dass der Preis f\u00fcr ein Kunstwerk neben Qualit\u00e4tskriterien, Bedeutung, Format, Marktg\u00e4ngigkeit, Innovationskraft auch von vielen irrationalen Faktoren von der jeweiligen Nachfrage bestimmt wird, geradezu zwingend sei und keinesfalls dazu f\u00fchre, dass das Gutachten unbrauchbar sei. Dem Kl\u00e4ger m\u00fcsse auch keineswegs nur der geringste Betrag von \u20ac 3.500 als eine Art \u201eMindestschaden\u201c zugesprochen werden.<\/p>\n<p>Den Schaden hat das Gericht schlie\u00dflich auf den vermittelten Betrag von \u20ac 4.500 gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><strong>Conclusion<\/strong><\/p>\n<p>Bei Kunstwerken handelt es sich immer um Unikate, deren Zerst\u00f6rung stets einen Schadensersatzanspruch des Eigent\u00fcmers zur Folge hat, gleich ob es der K\u00fcnstler selbst oder\u00a0 eine andere Person ist. Dass der K\u00fcnstler in der besonderen Position ist, das Kunstwerk kopieren zu k\u00f6nnen, ohne dabei <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/areas-of-law\/copyright-and-media-law\/\">Urheberrechte<\/a> zu verletzen, steht dem Schadensersatzanspruch nicht entgegen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr ein unge\u00fcbtes Auge l\u00e4sst sich diese Frage h\u00e4ufig nur schwer beantworten. 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