{"id":4181,"date":"2014-04-24T13:00:06","date_gmt":"2014-04-24T11:00:06","guid":{"rendered":"\/?p=4181"},"modified":"2025-10-10T15:14:03","modified_gmt":"2025-10-10T13:14:03","slug":"babynahrung-und-die-frage-ist-das-gesund-fuer-mein-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/babynahrung-und-die-frage-ist-das-gesund-fuer-mein-baby\/","title":{"rendered":"Babynahrung und die Frage, ist das gesund f\u00fcr mein Baby?"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Bundesgerichtshof hatte dar\u00fcber zu entscheiden, ob die Bezeichnung \u201ePraebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae\u201c f\u00fcr Babynahrung eine gesundheitliche Wirkung suggeriert oder lediglich eine blo\u00dfe Beschaffenheits- bzw. Inhaltsstoffangabe darstellt.<!--more--><\/b><\/p>\n<p>Ein Babynahrungshersteller bot seine Milchprodukte unter der Bezeichnung &#8220;Praebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae&#8221; an, die als pr\u00e4biotische Komponente Galactooligosaccharide und als probiotische Komponente das Bakterium Lactobacillus fermentum hereditum enthielt. Auf der Verpackung wurden neben dieser Bezeichnung die weiteren Angaben &#8220;Mit nat\u00fcrlichen Milchs\u00e4urekulturen&#8221; und &#8220;Praebiotik\u00ae zur Unterst\u00fctzung einer gesunden Darmflora&#8221; verwendet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\" width=\"275\" height=\"355\" \/><\/a>Ein anderer Babynahrungshersteller sah hierin gesundheitsbezogene Angaben, die mit der europ\u00e4ischen Verordnung \u00fcber n\u00e4hrwert- und gesundheitsbezogene Angaben \u00fcber Lebensmittel (sog. Health-Claims-Verordnung) unvereinbar seien und nahm seinen Konkurrenten daher u.a. auf Unterlassung und Schadensersatz in Anspruch.<\/p>\n<p>Das Landgericht Frankfurt a.M. hatte der Klage zun\u00e4chst teilweise stattgegeben. Im Anschluss daran war die Klage hingegen vom Berufungsgericht insgesamt abgewiesen worden.<\/p>\n<p><b>Decision of the court<\/b><\/p>\n<p>Der Bundesgerichtshof hat in seinem <a title=\"BGH Urteil vom 26.02.2014 - Az- I ZR 178\/12\" href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=67276&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urteil vom 26.02.2014 &#8211; Az. I ZR 178\/12 <\/a>den Begriff der gesundheitsbezogenen Angabe im Sinne der Health-Claims-Verordnung weiter pr\u00e4zisiert und in der Bezeichnung &#8220;Praebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae&#8221; \u2013 anders als das Berufungsgericht \u2013 eine gesundheitsbezogene Angabe im Sinne von Health-Claims-Verordnung gesehen.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung werde \u2013 nach Ansicht des BGH \u2013 vom Durchschnittsverbraucher nicht lediglich als eine blo\u00dfe Beschaffenheits- oder Inhaltsangabe angesehen, sondern spiele im Sinne eines sprechenden Kennzeichens auf die Eigenschaften &#8220;probiotisch&#8221; und &#8220;pr\u00e4biotisch&#8221; an, also die F\u00e4higkeit, die nat\u00fcrliche Darmfunktion und die Abwehrkr\u00e4fte zu stimulieren. Dieser suggerierte Zusammenhang zwischen dem Bestandteil eines Lebensmittels und dem Gesundheitszustand des Konsumenten reiche f\u00fcr die Bejahung einer gesundheitsbezogenen Angabe aus.<\/p>\n<p>Demzufolge hat der BGH die Verwendung der Angabe &#8220;Praebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae \u2013 Mit nat\u00fcrlichen Milchs\u00e4urekulturen \u2013 Praebiotik\u00ae zur Unterst\u00fctzung einer gesunden Darmflora&#8221; untersagt.<\/p>\n<p>Diese gesundheitsbezogene Angabe war auch nicht aufgrund der \u00dcbergangsbestimmung der Health-Claims-Verordnung zul\u00e4ssig, weil sie nicht Gegenstand einer vorherigen Anmeldung im Sinne dieser Vorschrift war. Zur Zulassung beantragt war die rein beschreibende Angabe eines Inhaltsstoffs (&#8220;Prebiotic fibre supports development of healthy intestinal flora&#8221;), w\u00e4hrend \u2013 so der BGH \u2013 die Bezeichnung &#8220;Praebiotik\u00ae&#8221; vom Verkehr als ein markentypisch auf ein Unternehmen hinweisendes Kennzeichen verstanden wird. Darin liege ein grundlegender inhaltlicher Unterschied, der bei dem anzulegenden strengen Ma\u00dfstab einer Anwendung der \u00dcbergangsvorschrift der Verordnung entgegensteht.<\/p>\n<p>Soweit es um die Verwendung alleine der Bezeichnung &#8220;Praebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae&#8221; ging, hat der BGH die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen. Dieses wird nun die bislang offengelassene Frage zu kl\u00e4ren haben, ob die Bezeichnung &#8220;Praebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae&#8221; bereits vor dem 01.01.2005 zur Kennzeichnung von Lebensmitteln benutzt wurde und damit insoweit eine Berufung auf die \u00dcbergangsvorschrift der Health-Claims-Verordnung m\u00f6glich ist. Dann k\u00f6nnten unter bestimmten Umst\u00e4nden die Produkte mit der entsprechenden Angabe weiterhin bis zum 19.01.2022 in den Verkehr gebracht werden.<\/p>\n<p><b>Conclusion<\/b><\/p>\n<p>Produkte damit zu bewerben, sie seien gut f\u00fcr die Gesundheit, ist nicht ohne weiteres erlaubt. Die Health-Claims Verordnung stellt jegliche gesundheitsbezogene Abgabe unter ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, d.h. derartige Angaben unterliegen einer Zulassungspflicht und d\u00fcrfen f\u00fcr die Bewerbung eines Lebensmittels nur verwendet werden, wenn die Vorgaben der Verordnung erf\u00fcllt sind. Welche Werbeslogans erlaubt sind, kann u.a. aus einer von der EU erstellten Liste entnommen werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtshof hatte dar\u00fcber zu entscheiden, ob die Bezeichnung \u201ePraebiotik\u00ae + Probiotik\u00ae\u201c f\u00fcr Babynahrung eine gesundheitliche Wirkung suggeriert oder lediglich eine blo\u00dfe Beschaffenheits- bzw. 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