{"id":29208,"date":"2025-12-03T08:54:39","date_gmt":"2025-12-03T07:54:39","guid":{"rendered":"https:\/\/avantcore.de\/?p=29208"},"modified":"2025-12-15T11:13:45","modified_gmt":"2025-12-15T10:13:45","slug":"keine-festsetzung-eines-marktes-kein-weihnachtsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/keine-festsetzung-eines-marktes-kein-weihnachtsmarkt\/","title":{"rendered":"(K)ein Weihnachtsmarkt? Festsetzung eines Marktes gescheitert \u2013 Anforderungen an private Veranstalter gest\u00e4rkt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die rechtlichen Kernfragen der Entscheidung des OVG NRW zur Festsetzung eines Marktes<\/strong><\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>Das Oberverwaltungsgericht NRW hat mit <a href=\"https:\/\/nrwe.justiz.nrw.de\/ovgs\/ovg_nrw\/j2025\/4_B_1206_25_Beschluss_20251117.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschluss vom 17.11.2025 (4 B 1206\/25)<\/a> eine f\u00fcr Kommunen wie auch private Veranstalter wichtige Entscheidung zur Festsetzung von M\u00e4rkten nach \u00a7\u00a7 69, 69a GewO getroffen. Im Zentrum steht die Frage, ob Bewerber um die <strong>Ausrichtung eines (Weihnachts-)Markts<\/strong> einen Anspruch auf Teilnahme an einem fairen Auswahlverfahren haben \u2013 und welche Voraussetzungen ein Festsetzungsantrag zwingend erf\u00fcllen muss. Besonders praxisrelevant: Die Pflicht, bereits im Zeitpunkt der Antragstellung die Verf\u00fcgbarkeit s\u00e4mtlicher vorgesehenen Veranstaltungsfl\u00e4chen nachzuweisen.<\/p>\r\n<h4><strong>Darum ging es genau: Weihnachtsmarkt auf kirchlichen Fl\u00e4chen \u2013 aber ohne Nutzungsrecht<\/strong><\/h4>\r\n<p>Die Stadt M. erledigt die <strong>Durchf\u00fchrung \u201eihres\u201c Weihnachtsmarkts<\/strong> f\u00fcr die Jahre 2025 bis 2029 nicht selbst, sondern setzt lediglich auf Antrag privater Dritter einen Markt nach \u00a7 69 GewO fest, die diese dann ausf\u00fchren. Um diese <strong>Festsetzung<\/strong> konkurrierten die Antragstellerin und eine Marketinggesellschaft, die bereits in den Vorjahren den Markt organisiert hatte.<\/p>\r\n<p>Die Antragstellerin plante einen <strong>Weihnachtsmarkt unter Einbeziehung mehrerer nicht-st\u00e4dtischer Fl\u00e4chen<\/strong> \u2013 insbesondere eines Kirchplatzes \u2013 und gab an, die Nutzung sei \u201evorab abgestimmt\u201c. Tats\u00e4chlich bestand jedoch ein fortbestehender Gestattungsvertrag zwischen der Kirchengemeinde und der konkurrierenden Beigeladenen, die dort weiterhin das <strong>alleinige Nutzungsrecht<\/strong> innehatte. Einen schriftlichen Nachweis konnte die Antragstellerin nicht vorlegen.<\/p>\r\n<p>Die Stadt lehnte ihren Antrag auf Festsetzung eines Marktes ab und beabsichtigte, den Markt zugunsten der Beigeladenen festzusetzen. Dagegen beantragte die Antragstellerin einstweiligen Rechtsschutz.<\/p>\r\n<h4><strong>Rechtliche Erw\u00e4gungen: Kein Bewerbungsverfahrensanspruch ohne tragf\u00e4higen Antrag auf Festsetzung eines Marktes<\/strong><\/h4>\r\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-29212 alignright\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/stockphotoscom-5305736-300x200.jpg\" alt=\"Weihnachtsmarkt Festsetzung eines Marktes\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/stockphotoscom-5305736-300x200.jpg 300w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/stockphotoscom-5305736-18x12.jpg 18w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/stockphotoscom-5305736.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das OVG best\u00e4tigt die Entscheidung des VG und weist die Beschwerde zur\u00fcck. Die Antragstellerin habe schon <strong>keinen Anordnungsanspruch glaubhaft<\/strong> gemacht. Entscheidend ist:<\/p>\r\n<ul>\r\n<li>Ein Bewerbungsverfahrensanspruch aus Art. 12 Abs. 1 i. V. m. Art. 3 Abs. 1 GG besteht nur, wenn der Antragsteller \u00fcberhaupt einen <strong>festsetzungsf\u00e4higen Antrag<\/strong> gestellt hat.<\/li>\r\n<li>Ein solcher Antrag lag hier nicht vor, weil der geplante Markt auch auf Fl\u00e4chen stattfinden sollte, <strong>\u00fcber die die Antragstellerin tats\u00e4chlich nicht verf\u00fcgen durfte<\/strong>.<\/li>\r\n<li>Die Festsetzung eines Marktes verpflichtet gem\u00e4\u00df \u00a7 69 Abs. 2 GewO zur Durchf\u00fchrung \u2013 auch auf allen beantragten Fl\u00e4chen. Wer diese Pflicht mangels Verf\u00fcgungsgewalt nicht erf\u00fcllen kann, stellt keinen genehmigungsf\u00e4higen Antrag.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p>Das Gericht betont, dass es Sache der Bewerber ist, <strong>vorab<\/strong> f\u00fcr die Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit zu sorgen. Solange die Kommune den Markt <strong>nicht als eigene \u00f6ffentliche Einrichtung<\/strong> betreibt, gelten nicht die vergaberechtlichen Ma\u00dfst\u00e4be des \u00f6ffentlichen Auftragswesens. Auch die teilweise kommunale Beteiligung an der Beigeladenen \u00e4ndert daran nichts: Sie bleibt eine rechtlich selbst\u00e4ndige privatrechtliche Gesellschaft, welche den Markt eigenverantwortlich durchf\u00fchrt.<\/p>\r\n<p>Das Gericht kommt daher zu dem klaren Ergebnis:<\/p>\r\n<p>Wer sich um die Festsetzung eines privaten Marktes bewirbt, muss <strong>im Zeitpunkt der Antragstellung vollst\u00e4ndig nachweisen<\/strong>, dass alle vorgesehenen Fl\u00e4chen verf\u00fcgbar sind. Fehlt dieser Nachweis, ist der Antrag bereits aus Gr\u00fcnden des \u00f6ffentlichen Interesses (\u00a7 69a Abs. 1 Nr. 3 GewO) abzulehnen.<\/p>\r\n<h4><strong>Praxisempfehlung f\u00fcr Kommunen und private Veranstalter<\/strong><\/h4>\r\n<p>F\u00fcr Kommunen:<\/p>\r\n<p>Stellen Sie klar, ob ein Markt als <strong>\u00f6ffentliche Einrichtung<\/strong> betrieben wird oder \u2013 wie hier \u2013 allein per Antrag privater Veranstalter auf Festsetzung eines Marktes umgesetzt wird. Nur bei ersterem greifen vergaberechtliche Transparenz- und Gleichbehandlungsanforderungen. Bei rein privater Festsetzung eines Marktes bleibt es bei der Verantwortung des Antragstellers.<\/p>\r\n<p>F\u00fcr private Veranstalter:<\/p>\r\n<p>Sichern Sie <strong>fr\u00fchzeitig<\/strong> vertragliche Nutzungsrechte an s\u00e4mtlichen vorgesehenen Fl\u00e4chen. Ohne belastbaren Nachweis der Verf\u00fcgbarkeit ist der Antrag auf Festsetzung eines Marktes unheilbar unzureichend \u2013 und es entsteht <strong>kein Anspruch auf Beteiligung<\/strong> am Auswahlverfahren. Insbesondere bei attraktiven nicht-st\u00e4dtischen Fl\u00e4chen (Kirchpl\u00e4tze, private Grundst\u00fccke, Einkaufszentren) ist eine schriftliche Nutzungsgestattung zwingend.<\/p>\r\n<h4><strong>Konkrete Empfehlung unserer Kanzlei:<\/strong><\/h4>\r\n<p>Wer einen Markt, ein Stadtfest oder eine andere festsetzungsf\u00e4hige Veranstaltung durchf\u00fchren m\u00f6chte, sollte <strong>bereits vor der Antragstellung<\/strong> eine vollst\u00e4ndige <strong>Fl\u00e4chenstrategie<\/strong> entwickeln. Dies umfasst die Kl\u00e4rung aller Eigentumsverh\u00e4ltnisse, Nutzungsrechte und vertraglichen Bindungen. Wir empfehlen, einen Antrag auf Festsetzung eines Marktes rechtlich pr\u00fcfen zu lassen, um Ablehnungen zu vermeiden und zugleich die <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/topic\/was-regelt-das-kommunalrecht\/\">kommunalen Vorgaben<\/a> voll auszusch\u00f6pfen. Die Experten von <strong>AVANTCORE RECHTSANW\u00c4LTE<\/strong> in Stuttgart unterst\u00fctzen Sie mit anwaltlicher Beratung im <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/areas-of-law\/regulatory-affairs\/\">Administrative law<\/a> dabei, <strong>formal vollst\u00e4ndige, rechtlich belastbare<\/strong> Antr\u00e4ge zu stellen und Ihre Marktchancen im Wettbewerb zu sichern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die rechtlichen Kernfragen der Entscheidung des OVG NRW zur Festsetzung eines Marktes<\/p>","protected":false},"author":15,"featured_media":29212,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"single-custom-blog.php","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3049],"tags":[3697,3699,3698,331,3154,3642,3644],"ppma_author":[3075],"class_list":["post-29208","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag--69-gewo","tag-auswahlverfahren","tag-festsetzung-eines-marktes","tag-nutzungsrechte","tag-ovg-nrw","tag-weihnachtsmarkt","tag-zulassungsrichtlinie"],"authors":[{"term_id":3075,"user_id":15,"is_guest":0,"slug":null,"display_name":"Dr. Matthias Hesshaus","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/d5fedb90db22e1597e6f35126e51f94c849e32ae807e0e08611955aa0d02f34a?s=96&d=mm&r=g","first_name":"Dr. Matthias","last_name":"Hesshaus","user_url":"","description":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29208"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29208\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29208"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=29208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}