{"id":28790,"date":"2025-11-06T09:00:15","date_gmt":"2025-11-06T08:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/avantcore.de\/?p=28790"},"modified":"2025-11-05T19:56:22","modified_gmt":"2025-11-05T18:56:22","slug":"ersetzung-gemeindliches-einvernehmen-mobilfunkmast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/ersetzung-gemeindliches-einvernehmen-mobilfunkmast\/","title":{"rendered":"VG M\u00fcnchen: Gemeindliches Einvernehmen darf nicht verweigert werden- Mobilfunkmast im Au\u00dfenbereich mit Entscheidung gegen die Gemeinde best\u00e4tigt"},"content":{"rendered":"Gemeindliches Einvernehmen kann auch f\u00fcr einen Mobilfunkmast im Au\u00dfenbereich nur mit planungsrechtlich tragf\u00e4higen Gr\u00fcnden verweigert werden.\r\n<!--more-->\r\n<h4><strong>Zum rechtlichen Hintergrund<\/strong><\/h4>\r\nDer Beschluss des <strong>Verwaltungsgerichts M\u00fcnchen vom 02.10.2025 (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2025-N-27481?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. M 1 S 25.1683<\/a>)<\/strong> befasst sich mit der <strong>Ersetzung des gemeindlichen Einvernehmens<\/strong> (\u00a7 36 BauGB) bei der Genehmigung eines <strong>Mobilfunkmasts im Au\u00dfenbereich<\/strong>. Zentrale Frage war, ob die Gemeinde ihr gemeindliches Einvernehmen zu Recht verweigert hatte oder ob die Bauaufsichtsbeh\u00f6rde es rechtm\u00e4\u00dfig ersetzen durfte.\r\n\r\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28795\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stockphotoscom-8735848-300x196.jpg\" alt=\"gemeindliches Einvernehmen Mobilfunkmast\" width=\"300\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stockphotoscom-8735848-300x196.jpg 300w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stockphotoscom-8735848-18x12.jpg 18w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stockphotoscom-8735848.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Im Kern ging es damit um die <strong>Abw\u00e4gung zwischen gemeindlicher Planungshoheit<\/strong> and the <strong>privilegierten Zul\u00e4ssigkeit von Mobilfunkanlagen<\/strong> nach <strong>\u00a7 35 Abs. 1 Nr. 3 BauGB<\/strong>. Dieser <strong>\u00a7 35 Abs. 1 Nr. 3 BauGB<\/strong> regelt die <strong>Privilegierung bestimmter Vorhaben im Au\u00dfenbereich<\/strong>, die der <strong>\u00f6ffentlichen Versorgung<\/strong> mit Energie, Wasser, Abwasser oder <strong>Telekommunikationsdienstleistungen<\/strong> dienen.\r\n\r\nSolche Anlagen \u2013 etwa <strong>Stromleitungen, Funkmasten oder Wasserversorgungsanlagen<\/strong> \u2013 d\u00fcrfen <strong>ausnahmsweise im Au\u00dfenbereich<\/strong> errichtet werden, wenn sie <strong>nicht an beliebigen Orten<\/strong> entstehen k\u00f6nnen, sondern <strong>funktionsbedingt ortsgebunden<\/strong> sind. Damit soll gew\u00e4hrleistet werden, dass f\u00fcr die Allgemeinheit notwendige Infrastrukturprojekte auch au\u00dferhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile realisiert werden k\u00f6nnen.\r\n\r\nDas <strong>Bundesverwaltungsgericht<\/strong> hat das Tatbestandsmerkmal der <strong>Ortsgebundenheit<\/strong> bei Mobilfunkanlagen dahin ausgelegt, dass diese bereits dann vorliegt, wenn der geplante Standort <strong>funktechnisch erforderlich<\/strong> ist, um <strong>Versorgungsl\u00fccken zu schlie\u00dfen<\/strong> oder die Netzqualit\u00e4t zu verbessern (BVerwG, Urt. v. 20.06.2013 \u2013 4 C 2\/12)\r\n\r\nDas Gericht stellte vor diesem Hintergrund klar: Mobilfunkanlagen sind grunds\u00e4tzlich <strong>privilegierte Vorhaben<\/strong>, wenn sie der \u00f6ffentlichen Telekommunikationsversorgung dienen und ortsgebunden sind.\r\n<h4><strong>Warum wurde kein gemeindliches Einvernehmen erteilt?<\/strong><\/h4>\r\nDie Standortgemeinde hatte der <strong>Baugenehmigung f\u00fcr einen 30 m hohen Mobilfunkmast am Waldrand<\/strong> widersprochen. Sie verwies auf das <strong>Gebot gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Schonung des Au\u00dfenbereichs<\/strong>, den <strong>Regionalplan<\/strong>, das <strong>Landschaftsbild<\/strong> und angeblich <strong>fehlende Standortalternativen<\/strong>.\r\n\r\nDie <strong>Bauaufsichtsbeh\u00f6rde<\/strong> erteilte dennoch die Genehmigung, da das Vorhaben der <strong>\u00f6ffentlichen Telekommunikationsversorgung<\/strong> diene. Ein <strong>gemeindliches Einvernehmen<\/strong> durch die Gemeinde selbst wurde durch die <strong>Bauaufsichtsbeh\u00f6rde<\/strong> <strong>ersetzt<\/strong>. Die Gemeinde klagte und beantragte, die <strong>aufschiebende Wirkung<\/strong> ihrer Klage anzuordnen.\r\n\r\nDas VG M\u00fcnchen lehnte diesen Antrag ab. Die Klage habe nach summarischer Pr\u00fcfung <strong>keine Aussicht auf Erfolg<\/strong>.\r\n<h4><strong>Die rechtlichen Erw\u00e4gungen des Gerichts<\/strong><\/h4>\r\n<ol>\r\n \t<li><strong> Zul\u00e4ssigkeit der Ersetzung gemeindlichen Einvernehmens<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\nDas Gericht stellte klar, dass die Bauaufsichtsbeh\u00f6rde gemeindliches Einvernehmen <strong>rechtm\u00e4\u00dfig ersetzen<\/strong> durfte (\u00a7 36 Abs. 2 Satz 3 BauGB). Die Gemeinde k\u00f6nne sich <strong>nicht auf Verfahrensfehler<\/strong> oder eine vermeintliche \u201eR\u00fccknahmefiktion\u201c des Bauantrags berufen, da diese Vorschriften <strong>keinen Drittschutz<\/strong> vermitteln (\u00a7 65 BayBO).\r\n<ol start=\"2\">\r\n \t<li><strong> Privilegierung nach \u00a7 35 Abs. 1 Nr. 3 BauGB<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\nDer Mobilfunkmast diene der <strong>\u00f6ffentlichen Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen<\/strong> und sei daher <strong>privilegiert zul\u00e4ssig<\/strong>.\r\nAuch die vom Betreiber vorgelegten <strong>Versorgungs- und Standortpl\u00e4ne<\/strong> belegten, dass der Standort funktechnisch erforderlich und <strong>ortsgebunden<\/strong> sei.\r\nEin <strong>Ausweichen auf den Innenbereich<\/strong> sei weder <strong>zumutbar<\/strong> noch <strong>technisch m\u00f6glich<\/strong>.\r\n\r\nDamit folgte das VG der zitierten st\u00e4ndigen Rechtsprechung des <strong>Bundesverwaltungsgerichts (Urt. v. 20.06.2013 \u2013 4 C 2\/12)<\/strong>, wonach bei Mobilfunkanlagen eine <strong>Raum- bzw. Gebietsgebundenheit<\/strong> gen\u00fcgt.\r\n<ol start=\"3\">\r\n \t<li><strong> Keine entgegenstehenden \u00f6ffentlichen Belange<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\nDas Gericht pr\u00fcfte umfassend, ob <strong>\u00f6ffentliche Belange<\/strong> (\u00a7 35 Abs. 3 BauGB) entgegenstehen:\r\n<ul>\r\n \t<li>The <strong>Regionalplan S\u00fcdostoberbayern<\/strong>, der hohe Antennentr\u00e4ger \u201evermeiden\u201c will, entfalte <strong>keine Zielbindung<\/strong>, sondern lediglich den Charakter eines <strong>Planungsgrundsatzes<\/strong>.<\/li>\r\n \t<li>Eine <strong>Beeintr\u00e4chtigung des Landschaftsbilds<\/strong> sei nicht zu bef\u00fcrchten: Der <strong>Stahlgittermast<\/strong> f\u00fcge sich als <strong>punktuelle Anlage am Waldrand<\/strong> in das gewohnte Landschaftsbild ein.<\/li>\r\n \t<li>The <strong>Darstellung landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen im Fl\u00e4chennutzungsplan<\/strong> k\u00f6nne dem <strong>privilegierten Vorhaben<\/strong> nicht entgegengehalten werden.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ol start=\"4\">\r\n \t<li><strong> R\u00fcckbauverpflichtung ausreichend geregelt<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\nThe <strong>R\u00fcckbauverpflichtung nach \u00a7 35 Abs. 5 BauGB<\/strong> sei durch Auflage sichergestellt. Eine versp\u00e4tete beh\u00f6rdliche Erg\u00e4nzung \u00e4ndere nichts an der <strong>Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Genehmigung<\/strong>.\r\n<h4><strong>Fazit und Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h4>\r\nDas VG M\u00fcnchen st\u00e4rkt die <strong>Netzinfrastrukturpolitik<\/strong> und setzt der kommunalen Einflussnahme bei der Standortwahl f\u00fcr Mobilfunkmasten <strong>klare Grenzen<\/strong>. Gemeinden k\u00f6nnen sich nicht auf ihr gemeindliches Einvernehmen berufen, wenn das Vorhaben <strong>privilegiert<\/strong> and <strong>funktionsnotwendig im Au\u00dfenbereich<\/strong> ist.\r\n\r\nZugleich zeigt die Entscheidung, dass <strong>Verfahrensr\u00fcgen<\/strong> wie die Berufung auf eine vermeintliche <strong>R\u00fccknahmefiktion<\/strong> oder formale <strong>Bedenken am Gemeinderatsbeschluss<\/strong> im Eilverfahren regelm\u00e4\u00dfig ins Leere laufen.\r\n<h4><strong>Unser Hinweis f\u00fcr Gemeinden und Mobilfunkbetreiber<\/strong><\/h4>\r\nGemeinden sollten ihre <strong>Einvernehmensbeschl\u00fcsse sorgf\u00e4ltig begr\u00fcnden<\/strong> und sich auf <strong>planerisch tragf\u00e4hige Argumente<\/strong> st\u00fctzen &#8211; gerade auch, wenn gemeindliches Einvernehmen verweigert wird. Betreiber wiederum k\u00f6nnen sich auf die <strong>Privilegierung nach \u00a7 35 BauGB<\/strong> berufen, sofern sie die <strong>Ortsgebundenheit<\/strong> and <strong>Versorgungsnotwendigkeit<\/strong> dokumentieren.\r\n\r\nBei Streitigkeiten \u00fcber Mobilfunkmasten im Au\u00dfenbereich empfiehlt sich <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/services\/beratung-wirtschaftsverwaltungsrecht\/\">anwaltliche Unterst\u00fctzung<\/a> durch unsere verwaltungsrechtlich spezialisierte Kanzlei <strong>AVANTCORE RECHTSANW\u00c4LTE<\/strong> in Stuttgart, um <strong>kommunale Interessen effektiv zu wahren<\/strong> or <strong>Genehmigungsrisiken zu minimieren<\/strong>.\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeindliches Einvernehmen kann auch f\u00fcr einen Mobilfunkmast im Au\u00dfenbereich nur mit planungsrechtlich tragf\u00e4higen Gr\u00fcnden verweigert werden.<\/p>","protected":false},"author":15,"featured_media":28795,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"single-custom-blog.php","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3049],"tags":[3292,3668,3350,3666,3670,3669,3667],"ppma_author":[3075],"class_list":["post-28790","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-aussenbereich","tag-bauplanungsrecht","tag-baurecht","tag-gemeindliches-einvernehmen","tag-mobilfunkmast","tag-netzinfrastruktur","tag-vg-muenchen"],"authors":[{"term_id":3075,"user_id":15,"is_guest":0,"slug":null,"display_name":"Dr. Matthias Hesshaus","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/d5fedb90db22e1597e6f35126e51f94c849e32ae807e0e08611955aa0d02f34a?s=96&d=mm&r=g","first_name":"Dr. Matthias","last_name":"Hesshaus","user_url":"","description":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28790"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28790\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28790"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=28790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}