{"id":28731,"date":"2025-10-27T09:00:31","date_gmt":"2025-10-27T08:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/avantcore.de\/?p=28731"},"modified":"2025-12-01T12:04:32","modified_gmt":"2025-12-01T11:04:32","slug":"ovg-bremen-verwehrt-zugang-zum-weihnachtsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/ovg-bremen-verwehrt-zugang-zum-weihnachtsmarkt\/","title":{"rendered":"At the Christmas market, the role of appearance is strengthened: The OVG Bremen gives municipalities more creative freedom through access barriers in market permits."},"content":{"rendered":"<p><strong>Municipalities that host a Christmas market can exclude showmen whose offerings do not fit the concept for justified reasons.<\/strong><\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>The <strong>Oberverwaltungsgericht Bremen<\/strong> hat mit <strong>Beschluss vom<\/strong> <strong>26. September 2025 (1 LA 400\/24)<\/strong> den Antrag eines Schaustellers auf Zulassung der Berufung gegen die Entscheidung des <strong>VG Bremen<\/strong> abgelehnt. Die Entscheidung betrifft die umstrittene <strong>Nicht-Zulassung zum Bremer Weihnachtsmarkt 2024<\/strong> und pr\u00e4zisiert, unter welchen Voraussetzungen Veranstalter Bewerber <strong>vom Marktbetrieb ausschlie\u00dfen<\/strong> d\u00fcrfen.<\/p>\r\n<p>Das Gericht stellt klar: <strong>Teilnahmeanspr\u00fcche nach \u00a7 70 GewO<\/strong> bestehen <strong>nicht schrankenlos<\/strong>. Der <strong>Organizer<\/strong> einer festgesetzten Marktveranstaltung verf\u00fcgt \u00fcber ein <strong>weites Gestaltungsermessen<\/strong>, das von den Verwaltungsgerichten <strong>nur eingeschr\u00e4nkt \u00fcberpr\u00fcft<\/strong> werden darf.<\/p>\r\n<h4><strong>Teilnahmeanspruch nach \u00a7 70 GewO \u2013 nur Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung<\/strong><\/h4>\r\n<p>Nach <strong>\u00a7 70 Abs. 1 GewO<\/strong> kann \u201ejedermann, der dem Teilnehmerkreis angeh\u00f6rt\u201c, an einer festgesetzten Veranstaltung teilnehmen. Dieser Grundsatz wird jedoch durch <strong>\u00a7 70 Abs. 3 GewO<\/strong> eingeschr\u00e4nkt: Der Veranstalter <strong>darf einzelne Bewerber aus sachlich gerechtfertigten Gr\u00fcnden ausschlie\u00dfen<\/strong>.<\/p>\r\n<p>In der Praxis bedeutet das:<br \/>Ein Aussteller oder Schausteller hat <strong>keinen Rechtsanspruch auf Teilnahme<\/strong>, sondern lediglich auf eine <strong>fehlerfreie Ermessensaus\u00fcbung<\/strong>. Die Beh\u00f6rde oder Kommune darf <strong>Auswahlkriterien<\/strong> such as <strong>Qualit\u00e4t<\/strong>, <strong>Gestaltung<\/strong>, <strong>Angebotsvielfalt<\/strong> or <strong>Sicherheitsaspekte<\/strong> heranziehen und in einer <strong>Zulassungsrichtlinie<\/strong> festschreiben.<\/p>\r\n<p>Diese Grunds\u00e4tze gelten nicht nur auf Grundlage der <strong>Gewerbeordnung<\/strong>, sondern finden \u00fcber die <strong>kommunale Selbstverwaltung<\/strong> auch im Rahmen gemeindlicher Marktordnungen Anwendung. Ziel ist stets die <strong>Wahrung eines ausgewogenen und stimmigen Gesamtbildes<\/strong> der Veranstaltung \u2013 ein legitimes \u00f6ffentliches Interesse, das das <strong>Einzelinteresse eines Bewerbers<\/strong> \u00fcberwiegen kann.<\/p>\r\n<h4><strong>Darum ging es: Abgelehnte Bewerbung f\u00fcr den Weihnachtsmarkt mit \u201eWeihnachtspyramide\u201c und \u201eWeihnachtsbaum\u201c<\/strong><\/h4>\r\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28736\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stockphotoscom-13180123-300x202.jpg\" alt=\"Weihnachtsmarkt OVG Bremen\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stockphotoscom-13180123-300x202.jpg 300w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stockphotoscom-13180123-18x12.jpg 18w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stockphotoscom-13180123.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Der Kl\u00e4ger, ein Schausteller, bewarb sich f\u00fcr den <strong>Bremer Weihnachtsmarkt 2024<\/strong> mit drei imposanten Aufbauten: einer <strong>12 m hohen Weihnachtspyramide<\/strong> sowie zwei <strong>Weihnachtsb\u00e4umen mit 25 m und 40 m H\u00f6he<\/strong>.<\/p>\r\n<p>The <strong>Veranstalterin \u2013 die Stadt Bremen \u2013 lehnte die Bewerbung ab<\/strong>, weil die geplanten Aufbauten <strong>nicht in das Gestaltungskonzept des Marktes<\/strong> passten. Die Stadt verfolgt ein Konzept, das <strong>eingeschossige und h\u00f6henm\u00e4\u00dfig homogene Ausschankbetriebe<\/strong> vorsieht, um ein <strong>einheitliches und historisch angepasstes Marktbild<\/strong> zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\r\n<p>Von insgesamt 250 Bewerbungen f\u00fcr den <strong>Bremer Weihnachtsmarkt <\/strong>wurden 149 zugelassen. Vorrangiges Auswahlkriterium war laut der <strong>Zulassungsrichtlinie f\u00fcr Volksfeste und Marktveranstaltungen der Stadt Bremen<\/strong> die <strong>Qualit\u00e4t der Gesch\u00e4fte<\/strong>, konkretisiert durch Erscheinungsbild, Bauweise und Einbindung ins historische Umfeld.<\/p>\r\n<p>Der Kl\u00e4ger sah sich <strong>willk\u00fcrlich benachteiligt<\/strong> und r\u00fcgte, die Stadt habe unsachliche Kriterien herangezogen. Die H\u00f6he oder Geschossigkeit sei kein zul\u00e4ssiges Auswahlkriterium, zumal die Innenstadt selbst von mehrgeschossigen Geb\u00e4uden gepr\u00e4gt sei. Zudem sei das <strong>Gleichbehandlungsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG<\/strong> verletzt, da andere hohe Aufbauten \u2013 etwa ein Riesenrad oder der st\u00e4dtische Weihnachtsbaum \u2013 zum Weihnachtsmarkt zugelassen worden seien.<\/p>\r\n<p><strong>Die Entscheidung des OVG Bremen: Gestaltungskonzept hat Vorrang<\/strong><\/p>\r\n<p>The <strong>OVG Bremen<\/strong> folgte dieser Argumentation nicht. Es best\u00e4tigte die Auffassung des Verwaltungsgerichts, dass die Stadt <strong>legitimate<\/strong> gehandelt habe.<\/p>\r\n<p><strong>Weites Gestaltungsermessen nach \u00a7 70 GewO<\/strong><\/p>\r\n<p>Dem Veranstalter steht nach \u00a7 70 Abs. 1 und 3 GewO ein <strong>weiter Beurteilungs- und Gestaltungsspielraum<\/strong> zu. Dieser umfasst die <strong>Festlegung von Auswahlkriterien<\/strong> ebenso wie die <strong>Gestaltung des Gesamt- und Platzkonzepts<\/strong>. Das Gericht betonte, dass diese <strong>Ermessensaus\u00fcbung gerichtlich nur auf Ermessensfehler \u00fcberpr\u00fcfbar<\/strong> sei \u2013 also auf Willk\u00fcr, sachfremde Erw\u00e4gungen oder grobe Gleichheitsverst\u00f6\u00dfe.<\/p>\r\n<p><strong>Sachgerechte Auswahlkriterien<\/strong><\/p>\r\n<p>Die Orientierung an einem <strong>homogenen Erscheinungsbild<\/strong> ist laut Gericht <strong>sachlich gerechtfertigt<\/strong>. Die <strong>H\u00f6he und Geschossigkeit<\/strong> von Ausschankbetrieben d\u00fcrfen als Auswahlkriterium dienen, wenn das Ziel darin besteht, ein <strong>einheitliches, ansprechendes Marktbild<\/strong> zu schaffen.<\/p>\r\n<p>Das OVG hob hervor, dass die Stadt nicht auf die Geschossigkeit, sondern in erster Linie auf die <strong>absolute H\u00f6he<\/strong> der Betriebe abgestellt habe. Diese Entscheidung sei nachvollziehbar und diene der <strong>Wahrung des historischen Stadtbildes<\/strong>.<\/p>\r\n<p><strong>Kein Versto\u00df gegen Gleichbehandlungsgrundsatz<\/strong><\/p>\r\n<p>Andere Aufbauten wie Fahrgesch\u00e4fte oder der st\u00e4dtische Weihnachtsbaum seien <strong>nicht vergleichbar<\/strong>, da sie anderen Zwecken dienten. Die unterschiedliche Behandlung sei daher <strong>sachlich begr\u00fcndet<\/strong>.<\/p>\r\n<p><strong>Heilung formeller M\u00e4ngel<\/strong><\/p>\r\n<p>Selbst wenn die Ablehnungsbescheide zun\u00e4chst knapp begr\u00fcndet waren, konnte die Begr\u00fcndung im Gerichtsverfahren nach <strong>\u00a7 45 BremVwVfG<\/strong> wirksam nachgeholt werden. Auch der Einwand fehlenden effektiven Rechtsschutzes (Art. 19 Abs. 4 GG) griff nicht durch, da dem Kl\u00e4ger ausreichend Zeit blieb, einstweiligen Rechtsschutz zu beantragen.<\/p>\r\n<p>Ergebnis: Die Berufung wurde nicht zugelassen. Die Entscheidung des VG Bremen ist <strong>rechtskr\u00e4ftig<\/strong>.<\/p>\r\n<p><strong>Rechtliche Bewertung und Einordnung<\/strong><\/p>\r\n<p>Die Entscheidung f\u00fcgt sich in eine gefestigte Linie verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ein:<br \/>Bereits zuvor hatte das OVG Bremen (<a href=\"https:\/\/www.oberverwaltungsgericht.bremen.de\/gerichtsentscheidung-en\/zulassung-zum-bremer-weihnachtsmarkt-2017-17224?asl=bremen72.c.11265.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschl. v. 15.08.2019 \u2013 2 LA 296\/18<\/a>) betont, dass Veranstalter <strong>vorab Kriterien<\/strong> zur Auswahl der Marktteilnehmer festlegen d\u00fcrfen, solange diese <strong>nachvollziehbar, transparent und willk\u00fcrfrei<\/strong> angewendet werden.<\/p>\r\n<p>Damit st\u00e4rkt das Gericht den Spielraum<strong> der Kommunen<\/strong> bei der Organisation eines Weihnachtsmarktes und anderer \u00f6ffentlicher Veranstaltungen. Die <strong>Gestaltungsfreiheit<\/strong> umfasst auch \u00e4sthetische, st\u00e4dtebauliche und imagebezogene Aspekte \u2013 etwa das Ziel, f\u00fcr den Weihnachtsmarkt ein traditionelles, \u201enorddeutsch-historisches\u201c Marktbild zu wahren.<\/p>\r\n<p><strong>Praxishinweis f\u00fcr Markt- und Festbetreiber<\/strong><\/p>\r\n<p>F\u00fcr Schausteller, Gastronomen und Eventanbieter gilt:<br \/>A <strong>Teilnahmeanspruch auf einem Weihnachtsmarkt oder Volksfest<\/strong>\u00a0besteht nur <strong>im Rahmen einer ermessensfehlerfreien Entscheidung<\/strong>. Wer sich bewirbt, sollte sich daher <strong>eng an den Zulassungsrichtlinien<\/strong> orientieren und bereits im Antrag \u00fcberzeugend darlegen, dass das eigene Gesch\u00e4ft <strong>in das Konzept der Veranstaltung<\/strong> passt.<\/p>\r\n<p><strong>Empfehlungen aus anwaltlicher Sicht:<\/strong><\/p>\r\n<ul>\r\n<li><strong>Richtlinienanalyse:<\/strong> Pr\u00fcfen Sie die aktuellen <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/topic\/was-regelt-das-kommunalrecht\/\"><strong>Zulassungsrichtlinien<\/strong> der Kommune<\/a> vor der Bewerbung genau.<\/li>\r\n<li><strong>Gestaltung anpassen:<\/strong> Achten Sie auf Vorgaben zu <strong>H\u00f6he, Fassadengestaltung, Beleuchtung und Material<\/strong>.<\/li>\r\n<li><strong>Transparente Kommunikation:<\/strong> Fragen Sie fr\u00fchzeitig nach Kriterien und Konzepten, um sp\u00e4tere Konflikte zu vermeiden.<\/li>\r\n<li><strong>Rechtsmittel nutzen:<\/strong> Wird der Antrag abgelehnt, sollte <strong>sofort Akteneinsicht<\/strong> beantragt und ggf. <strong>Eilrechtsschutz<\/strong> in Anspruch genommen werden. Dabei stehen Ihnen die Experten von <strong>AVANTCORE RECHTSANW\u00c4LTE<\/strong> in Stuttgart mit anwaltlicher Beratung im <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/areas-of-law\/regulatory-affairs\/\">Administrative law<\/a> zur Seite.<\/li>\r\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Municipalities that host a Christmas market can exclude showmen whose offerings do not fit the concept for justified reasons.<\/p>","protected":false},"author":15,"featured_media":28736,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"single-custom-blog.php","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3049],"tags":[3646,3643,3242,3645,3642,3644],"ppma_author":[3075],"class_list":["post-28731","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag--70-abs-1-gewo","tag-ermessensausuebung","tag-ovg-bremen","tag-teilnahmeanspruch","tag-weihnachtsmarkt","tag-zulassungsrichtlinie"],"authors":[{"term_id":3075,"user_id":15,"is_guest":0,"slug":null,"display_name":"Dr. Matthias Hesshaus","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/d5fedb90db22e1597e6f35126e51f94c849e32ae807e0e08611955aa0d02f34a?s=96&d=mm&r=g","first_name":"Dr. Matthias","last_name":"Hesshaus","user_url":"","description":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28731","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28731"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28731\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28731"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28731"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28731"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/avantcore.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=28731"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}