{"id":27176,"date":"2025-05-06T11:27:38","date_gmt":"2025-05-06T09:27:38","guid":{"rendered":"https:\/\/avantcore.de\/?p=27176"},"modified":"2025-10-07T15:23:30","modified_gmt":"2025-10-07T13:23:30","slug":"repowering-wann-nachbarn-sich-nicht-wehren-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/repowering-wann-nachbarn-sich-nicht-wehren-koennen\/","title":{"rendered":"Repowering &#8211; wann Nachbarn sich nicht wehren k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einem aktuellen <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/NJRE001606864\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschluss vom 22. April 2025 (Az. 7 S 1\/25)<\/a> hat das OVG Berlin-Brandenburg \u00fcber die aufschiebende Wirkung eines Nachbarwiderspruchs gegen eine \u00c4nderungsgenehmigung f\u00fcr ein sogenanntes Repowering-Vorhaben entschieden.<\/strong><\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<ol>\r\n<li><strong> Hintergrund der Entscheidung<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p data-wp-editing=\"1\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-27178 alignleft\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-1192005-300x128.jpg\" alt=\"Repowering\" width=\"300\" height=\"128\" srcset=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-1192005-300x128.jpg 300w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-1192005-18x8.jpg 18w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-1192005.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\r\n<p>Die Beigeladene plante im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans den Austausch \u00e4lterer Windenergieanlagen durch leistungsst\u00e4rkere, deutlich h\u00f6here Modelle. Solche Vorhaben werden im Allgemeinen als Repowering bezeichnet. Der Antragsteller wandte sich gegen die genehmigte Gesamth\u00f6he von \u00fcber 200 Metern mit der Begr\u00fcndung, dass die \u00c4nderung genehmigungsrechtlich fehlerhaft sei und ihn unzumutbar belaste.<\/p>\r\n<ol start=\"2\">\r\n<li><strong> Rechtliche Kernaussagen<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p data-wp-editing=\"1\">Der Beschluss des OVG enth\u00e4lt eine Reihe grunds\u00e4tzlicher Aussagen zum drittsch\u00fctzenden Gehalt von Festsetzungen in Bebauungspl\u00e4nen sowie zum R\u00fccksichtnahmegebot und der Reichweite des Nachbarrechtsschutzes:<\/p>\r\n<ul>\r\n<li><strong>Befreiung von Ma\u00dffestsetzungen (\u00a7 31 Abs. 2 BauGB)<\/strong>: Das Gericht stellt klar, dass Nachbarn sich nur dann auf Fehler bei einer Befreiung von Festsetzungen berufen k\u00f6nnen, wenn die betreffende Festsetzung nachbarsch\u00fctzenden Charakter hat. Die H\u00f6henbegrenzung von 200 m im Bebauungsplan diene vorliegend jedoch prim\u00e4r der technischen Steuerung des Windparks, nicht dem individuellen Schutz Dritter \u2013 insbesondere nicht von Grundst\u00fcckseigent\u00fcmern au\u00dferhalb des Plangebiets.<\/li>\r\n<li><strong>R\u00fccksichtnahmegebot (\u00a7 15 Abs. 1 Satz 2 BauNVO)<\/strong>: Die optisch bedr\u00e4ngende Wirkung sei nicht gegeben, da der Abstand der Windenergieanlage zu den n\u00e4chstgelegenen Grundst\u00fccken des Antragstellers bei \u00fcber 1,8 km liege. Der Ma\u00dfstab des \u00a7 249 Abs. 10 BauGB \u2013 doppelter Anlagenabstand \u2013 sei deutlich \u00fcberschritten. Die blo\u00dfe Sichtbarkeit begr\u00fcnde kein Abwehrrecht.<\/li>\r\n<li><strong>L\u00e4rm- und Brandschutzaspekte<\/strong>: Die pauschale Bezugnahme auf fr\u00fchere L\u00e4rmbelastungen und auf eine angeblich unzureichende L\u00f6schwasserversorgung gen\u00fcgt dem Gericht nicht f\u00fcr eine substantiierte Darlegung konkreter Rechtsverletzungen. Zudem betont das Gericht, dass der Brandschutz regelm\u00e4\u00dfig kein nachbarsch\u00fctzendes Element enth\u00e4lt.<\/li>\r\n<li><strong>Gebietserhaltungsanspruch<\/strong>: Dieser wird ebenfalls verneint, da Antragsteller und Vorhabengrundst\u00fcck nicht im selben Baugebiet liegen und eine gebiets\u00fcbergreifende Schutzwirkung im konkreten Fall nicht erkennbar war.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ol start=\"3\">\r\n<li><strong> Einordnung und praktische Bedeutung<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Die Entscheidung unterstreicht die deutlich gestiegenen Anforderungen an Nachbarn, die sich gegen Repowering-Vorhaben von Windparks zur Wehr setzen wollen. Die gro\u00dfz\u00fcgige Auslegung des \u00f6ffentlichen Interesses an erneuerbarer Energie (\u00a7 2 EEG) und die Betonung der planerischen Gestaltungsfreiheit der Kommunen stellen hohe H\u00fcrden f\u00fcr den erfolgreichen Nachbarwiderspruch dar.<\/p>\r\n<p>Auch bekr\u00e4ftigt der Senat die eingeschr\u00e4nkte Klagem\u00f6glichkeit von Eigent\u00fcmern au\u00dferhalb des Bebauungsplangebiets, selbst wenn sie von der Ma\u00dffestsetzung betroffen sind. Das OVG folgt dabei der Linie des Bundesverwaltungsgerichts (sog. \u201eWannsee\u201c-Urteil), das nur in Ausnahmef\u00e4llen einen nachbarlichen Schutz \u00fcber die Grenzen des Plangebiets hinaus anerkennt.<\/p>\r\n<h2><strong> Empfehlung f\u00fcr Betroffene von Repowering<\/strong><\/h2>\r\n<p>Grundst\u00fcckseigent\u00fcmern, die sich durch Windenergieanlagen beeintr\u00e4chtigt f\u00fchlen, ist dringend zu raten, fr\u00fchzeitig im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung t\u00e4tig zu werden und konkrete, substantiierte Einwendungen zu erheben. Allgemeine Hinweise auf Sichtbeziehungen, subjektives Unbehagen oder pauschale L\u00e4rmbeschwerden gen\u00fcgen regelm\u00e4\u00dfig nicht, um den Rechtsschutz in der Sache erfolgreich durchzusetzen.<\/p>\r\n<p>F\u00fcr die gerichtliche Auseinandersetzung kommt es entscheidend darauf an, ob und inwieweit ein individuelles Abwehrrecht aus dem R\u00fccksichtnahmegebot oder drittsch\u00fctzenden Vorschriften abgeleitet werden kann. Die detaillierte Pr\u00fcfung der Abstandsverh\u00e4ltnisse, planerischen Intentionen sowie der tats\u00e4chlichen Immissionsbelastung ist dabei unerl\u00e4sslich.<\/p>\r\n<p><strong>Sie haben Fragen zu einem Windenergievorhaben in Ihrer Nachbarschaft oder sind als Kommune mit Einwendungen konfrontiert?<\/strong><br \/>Ein Anwalt und Fachanwalt von <strong>AVAVANTCORE Rechtsanw\u00e4lte<\/strong> aus Stuttgart mit besonderer Expertise im <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/areas-of-law\/regulatory-affairs\/\">Administrative law<\/a> kann Sie umfassend zu Chancen, Risiken und geeigneten rechtlichen Schritten beraten.<\/p>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem aktuellen Beschluss vom 22. 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