{"id":27150,"date":"2025-05-02T14:29:11","date_gmt":"2025-05-02T12:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/avantcore.de\/?p=27150"},"modified":"2025-10-07T15:23:59","modified_gmt":"2025-10-07T13:23:59","slug":"eugh-zu-in-house-konzessionen-anderung-zulassig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/eugh-zu-in-house-konzessionen-anderung-zulassig\/","title":{"rendered":"EuGH zu In-House-Konzessionen: \u00c4nderung zul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<p><strong>With <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/de\/TXT\/?uri=CELEX:62023CJ0452\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urteil vom 29. April 2025<\/a> hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) in der Rechtssache C-452\/23 (<em>Fastned Deutschland GmbH &amp; Co. KG gegen Die Autobahn GmbH des Bundes<\/em>) grundlegende Aussagen zur vergaberechtlichen Zul\u00e4ssigkeit von \u00c4nderungen bestehender Konzessionsvertr\u00e4ge getroffen.<\/strong><br \/><!--more--><\/p>\r\n<p>Im Zentrum stand die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Konzessionen, die urspr\u00fcnglich ohne Ausschreibung an sog. In-House-Einrichtungen vergeben wurden (sogenannte In-House-Konzessionen), nachtr\u00e4glich ge\u00e4ndert werden d\u00fcrfen, wenn der Konzessionsnehmer seine In-House-Eigenschaft sp\u00e4ter verliert.<\/p>\r\n<ol>\r\n<li><strong> In-House-Konzessionen als Hintergrund des Verfahrens<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Die Kl\u00e4gerin, Fastned Deutschland GmbH &amp; Co. KG, ein privater Anbieter von Schnellladeinfrastruktur f\u00fcr Elektrofahrzeuge, beanstandete die vertragliche \u00c4nderung bestehender Betriebskonzessionen im Bereich der Rastanlagennutzung entlang deutscher Autobahnen. Die betroffenen In-House-Konzessionen waren urspr\u00fcnglich im Rahmen eines In-House-Gesch\u00e4fts ohne Ausschreibung an Tochtergesellschaften der Bundesverwaltung vergeben worden.<\/p>\r\n<p data-wp-editing=\"1\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-27151 size-medium\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-2004809-300x171.jpg\" alt=\"In-House-Konzessionen\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-2004809-300x171.jpg 300w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-2004809-18x10.jpg 18w, https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/stockphotoscom-2004809.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Im Laufe der Zeit verloren diese Gesellschaften jedoch ihre In-House-Eigenschaft \u2013 insbesondere durch Ver\u00e4nderungen in der Beteiligungsstruktur und zunehmende wirtschaftliche Eigenst\u00e4ndigkeit. Die Autobahn GmbH des Bundes \u00e4nderte daraufhin f\u00fcr die In-House-Konzessionen bestehende Konzessionsvertr\u00e4ge, um die Errichtung und den Betrieb von Schnellladeinfrastruktur durch die bisherigen Konzessionsnehmer zu erm\u00f6glichen, ohne ein neues Vergabeverfahren durchzuf\u00fchren. Fastned machte geltend, dies verletze die Vorgaben des EU-Konzessionsvergaberechts.<\/p>\r\n<ol start=\"2\">\r\n<li><strong> Kernaussagen des Urteils<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Der EuGH nutzte das Verfahren zur Pr\u00e4zisierung der Anforderungen an die vergaberechtsfreie \u00c4nderung bestehender Konzessionen und zur Auslegung von Art. 43 Abs. 1 Buchst. c der Richtlinie 2014\/23\/EU.<\/p>\r\n<p><strong>a) Keine Sperrwirkung durch Wegfall der In-House-Eigenschaft<\/strong><\/p>\r\n<p>Zentral stellt der Gerichtshof klar, dass der Verlust der In-House-Eigenschaft eines urspr\u00fcnglich ohne Vergabeverfahren beg\u00fcnstigten Konzessionsnehmers nicht per se zur Unzul\u00e4ssigkeit von Vertrags\u00e4nderungen f\u00fchrt. Entscheidend ist vielmehr, ob die Voraussetzungen des Art. 43 Abs. 1 Buchst. c der Konzessionsvergaberichtlinie eingehalten sind. Eine \u00c4nderung kann somit auch dann zul\u00e4ssig sein, wenn der Vertragspartner zum Zeitpunkt der Vertragsmodifikation nicht mehr als In-House-Einrichtung einzustufen ist.<\/p>\r\n<p><strong>b) Voraussetzungen f\u00fcr eine zul\u00e4ssige \u00c4nderung nach Art. 43 Abs. 1 Buchst. c RL 2014\/23\/EU<\/strong><\/p>\r\n<p>Der EuGH konkretisiert die Voraussetzungen, unter denen eine erhebliche \u00c4nderung eines Konzessionsvertrags ohne Durchf\u00fchrung eines neuen Vergabeverfahrens rechtm\u00e4\u00dfig ist. Die Regelung setzt voraus:<\/p>\r\n<ul>\r\n<li><strong>Unvorhersehbarkeit:<\/strong> Die Notwendigkeit der \u00c4nderung muss durch Umst\u00e4nde ausgel\u00f6st worden sein, die der \u00f6ffentliche Auftraggeber bei sorgf\u00e4ltiger Vorbereitung nicht vorhersehen konnte.<\/li>\r\n<li><strong>Wahrung des Vertragscharakters:<\/strong> Die \u00c4nderung darf den Gesamtcharakter der Konzession nicht ver\u00e4ndern. Dies bedeutet, dass das wirtschaftliche und funktionale Grundgef\u00fcge des Vertrags erhalten bleiben muss.<\/li>\r\n<li><strong>Begrenzter wirtschaftlicher Umfang:<\/strong> Der finanzielle Wert der \u00c4nderung darf die in Art. 43 Abs. 1 Buchst. c genannten Schwellen nicht \u00fcberschreiten (in der Regel 50 % des urspr\u00fcnglichen Konzessionswertes).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p><strong>c) Keine nachtr\u00e4gliche \u00dcberpr\u00fcfung der urspr\u00fcnglichen Vergabe bei Fristablauf<\/strong><\/p>\r\n<p>Dar\u00fcber hinaus stellt der EuGH klar, dass Mitgliedstaaten nicht verpflichtet sind, nationalen Gerichten eine nachtr\u00e4gliche \u00dcberpr\u00fcfung der urspr\u00fcnglichen (In-House-)Vergabe zu gestatten, wenn die daf\u00fcr vorgesehenen Rechtsmittelfristen bereits verstrichen sind. Die \u00c4nderbarkeit des Vertrags ist demnach rechtlich isoliert von der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der urspr\u00fcnglichen Vergabe zu beurteilen \u2013 ein wichtiger Hinweis f\u00fcr die Rechtsklarheit \u00f6ffentlicher Auftraggeber.<\/p>\r\n<ol start=\"3\">\r\n<li><strong> Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Das Urteil hat erhebliche Auswirkungen auf die Praxis der Konzessionsvergabe und Konzessions\u00e4nderung. Es stellt klar, dass die \u00c4nderung bestehender Konzessionen unter engen, aber praxistauglichen Bedingungen auch dann m\u00f6glich ist, wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen \u2013 insbesondere die Eigenschaft des Konzessionsnehmers \u2013 zwischenzeitlich ver\u00e4ndert haben.<\/p>\r\n<p>Zugleich st\u00e4rkt der EuGH die Rechtssicherheit \u00f6ffentlicher Auftraggeber, indem er eine nachtr\u00e4gliche umfassende Kontrolle fr\u00fcherer Vergabeentscheidungen im Rahmen von \u00c4nderungsstreitigkeiten ablehnt.<\/p>\r\n<h2><strong>Empfehlungen f\u00fcr Vergabestellen und Bieter zum Umgang mit In-House-Konzessionen<\/strong><\/h2>\r\n<p><strong>For public clients:<\/strong><\/p>\r\n<ul>\r\n<li><strong>Sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung der \u00c4nderungsvoraussetzungen:<\/strong> Bevor eine \u00c4nderung bestehender Konzessionen vorgenommen wird, sollte eine strukturierte rechtliche Pr\u00fcfung nach Art. 43 Abs. 1 RL 2014\/23\/EU erfolgen \u2013 dokumentiert, nachvollziehbar und im Zweifel extern gepr\u00fcft.<\/li>\r\n<li><strong>Transparenz und Dokumentation:<\/strong> Eine nachvollziehbare Dokumentation der unvorhersehbaren Umst\u00e4nde und der Auswirkungen auf den Gesamtcharakter des Vertrags ist unverzichtbar.<\/li>\r\n<li><strong>Ver\u00f6ffentlichung von \u00c4nderungen:<\/strong> Auch wenn kein neues Verfahren erforderlich ist, empfiehlt sich im Sinne der Transparenz eine Mitteilung nach Art. 51 der RL 2014\/23\/EU (freiwillige Ex-ante-Transparenzbekanntmachung), um Rechtsunsicherheiten vorzubeugen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p><strong>F\u00fcr interessierte Unternehmen und Bieter:<\/strong><\/p>\r\n<ul>\r\n<li><strong>Beobachtungspflicht:<\/strong> Marktteilnehmer sollten \u00c4nderungen bestehender Konzessionen aufmerksam beobachten \u2013 insbesondere im Rahmen \u00f6ffentlich bekannt gemachter \u00c4nderungen.<\/li>\r\n<li><strong>Rechtsschutzm\u00f6glichkeiten pr\u00fcfen:<\/strong> Erfolgt eine \u00c4nderung ohne Bekanntmachung und liegt ein potenziell unzul\u00e4ssiger Eingriff in den Wettbewerb vor, kann eine R\u00fcge oder ein Nachpr\u00fcfungsantrag in Betracht kommen. Hier ist Eile geboten: Die ma\u00dfgeblichen Rechtsmittelfristen beginnen mit positiver Kenntnis oder grob fahrl\u00e4ssiger Unkenntnis zu laufen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p>Bei weiteren Fragen oder zur rechtssicheren Begleitung von \u00c4nderungen von In-House-Konzessionen und nat\u00fcrlich auch zu allen anderen Fragen zum Konzessionsrecht stehen Ihnen die Rechtsanw\u00e4lte von <strong>AVANTCORE RECHTSANW\u00c4LTE<\/strong> mit tiefgreifender Expertise im europ\u00e4ischen <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/expertise\/procurement-law-public-contracts-tenders\/\">Procurement Law<\/a> und Konzessionsrecht zur Seite.<\/p>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob und unter welchen Bedingungen d\u00fcrfen Konzessionen, die urspr\u00fcnglich ohne Ausschreibung an sog. 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