{"id":20864,"date":"2010-08-09T17:18:00","date_gmt":"2010-08-09T15:18:00","guid":{"rendered":"\/?p=581"},"modified":"2025-10-13T14:29:36","modified_gmt":"2025-10-13T12:29:36","slug":"bonatz-erbe-verliert-gegen-bahnprojekt-stuttgart-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/bonatz-erbe-verliert-gegen-bahnprojekt-stuttgart-21\/","title":{"rendered":"Bonatz Erbe verliert gegen Bahnprojekt &#8220;Stuttgart 21&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit dem Urteil des Landgerichts Stuttgart wurde der Urheberrechtstreit um den Stuttgarter Hauptbahnhof erstinstanzlich entschieden. Im vorliegenden Fall hatte das LG Stuttgart die schwierige urheberrechtliche Abw\u00e4gung zwischen den Erhaltungsinteresse des Enkels des Urhebers des Stuttgarter Hauptbahnhofes Bonatz am unver\u00e4nderten Bestand des Stuttgarter Bahnhofbaus und den Interessen der Bahn AG als Eigent\u00fcmerin an der Verwirklichung ihrer Ziele in Bezug auf die Umsetzung des Projekts \u201eStuttgart 21\u201c zu treffen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Im Rahmen des Bahnprojektes \u201eStuttgart 21\u201c und der Umwandlung des Stuttgarter Hauptbahnhofes von einem Kopf- in einen Durchgangsbahnhof, wurde von der Deutschen Bahn AG beschlossen, beide Seitenfl\u00fcgel samt Treppenanlage in der gro\u00dfen Schalterhalle des denkmalgesch\u00fctzten Bonatz-Baus abzurei\u00dfen. Der Enkel des Urhebers, Herr Peter D\u00fcbbers, wehrt sich als einer der Erben des Architekten Prof. Paul Bonatz (1877 bis 1956), der den Hauptbahnhof Stuttgart geplant und die Ausf\u00fchrung geleitet hat, gegen diesen geplanten Abriss, da dieser nach Meinung des Erben das Geb\u00e4ude als Gesamtkunstwerk verst\u00fcmmeln w\u00fcrde.<br \/>\nDie Klage richtete sich dabei nicht gegen die Umwandlung des Hauptbahnhofs von einem Kopf- in einen Durchgangsbahnhof, es ging ausschlie\u00dflich um die vollst\u00e4ndige Erhaltung der Integrit\u00e4t des Bonatz-Baus selbst.<\/p>\n<p><b>Decision of the court<\/b><br \/>\nDas Landgericht Stuttgart entschied in seinem Urteil vom 19.05.2010 &#8211; Az. 17 O 42\/10, zugunsten der Deutschen Bahn AG.<br \/>\nDas urheberrechtliche Erhaltungsinteresse des Bonatz Erben muss nach Ansicht des Landgerichts hier hinter den Modernisierungsinteressen des Eigent\u00fcmers zur\u00fccktreten.<\/p>\n<p>Zwar sind die Abrissma\u00dfnahmen am Stuttgarter Hauptbahnhof als intensiver Eingriffe in ein einzigartiges Werk der Baukunst zu qualifizieren. Der Ablauf von drei Vierteln der urheberrechtlichen Schutzdauer von 70 Jahren f\u00fcr das Bauwerk sowie die Beschr\u00e4nkung der Abrissma\u00dfnahmen auf die Fl\u00fcgelbauten relativieren jedoch das urheberpers\u00f6nlichkeitsrechtliche Erhaltungsinteresse. Au\u00dferdem bleiben die wesentlichen Geb\u00e4udeteile erhalten, so dass die Handschrift des Urhebers erhalten bleibe.<\/p>\n<p>Angesichts der starken Funktionsbindung des Bahnhofsgeb\u00e4udes als Zweckbau, an der auch Paul Bonatz seine \u00e4sthetische Gestaltung ausrichtete, ist ein starkes Modernisierungsinteresse des Geb\u00e4udeeigent\u00fcmers gegeben. Bei einem Funktionsbau wie dem Stuttgarter Hauptbahnhof sind die verkehrsstrategisch \u00fcberragenden Weiterentwicklungsinteressen der Bahn gegen\u00fcber den Erhaltungsinteressen des Bonatz Erben vorrangig, da die geplante Umwandlung des bisherigen Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof zu einem Funktions- und Bezugsverlust der Fl\u00fcgelbauten f\u00fchren wird. Ihr Abriss ist als Konsequenz dieser Funktions\u00e4nderung hinzunehmen.<\/p>\n<p><b>Conclusion<\/b><br \/>\nDer hier unterlegene Bonatz Erbe Herr D\u00fcbbers hat bereits angek\u00fcndigt, diesen Urheberrechtsstreit in die zweite Instanz f\u00fchren zu wollen. Die Qualifizierung des Stuttgarter Hauptbahnhofes als einzigartiges Werk der Baukunst verleiht dem Inhaber der Urheberrechte in der zweiten Instanz durchaus den berechtigten Grund zur Hoffnung, dass er den Abriss von Teilen des Bonatz-Baus doch noch verhindert kann. Es wird von dem Rechteinhaber weiter argumentiert werden, dass die Umwandlung des Stuttgarter Hauptbahnhofes von einem Kopf- in einen Durchgangsbahnhof auch ohne den Abriss der Seitenfl\u00fcgel des denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4udes vollzogen werden kann.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Urteil des Landgerichts Stuttgart wurde der Urheberrechtstreit um den Stuttgarter Hauptbahnhof erstinstanzlich entschieden. 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