{"id":16428,"date":"2021-03-07T15:28:34","date_gmt":"2021-03-07T14:28:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kpw-law.de\/?p=16428"},"modified":"2025-10-08T09:21:52","modified_gmt":"2025-10-08T07:21:52","slug":"gegenleistung-fuer-einen-facebook-like-ist-wettbewerbsverstoss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/gegenleistung-fuer-einen-facebook-like-ist-wettbewerbsverstoss\/","title":{"rendered":"Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like ist Wettbewerbsversto\u00df"},"content":{"rendered":"<p><strong>Durch eine hohe Anzahl von Facebook-Likes k\u00f6nnen H\u00e4ndler b<\/strong><strong>ei Verbrauchern m\u00e4chtig Eindruck schinden. Dass eine <\/strong><strong>Werbung mit Gew\u00e4hrung einer Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like jedoch keine gute Idee ist, zeigt eine aktuelle Entscheidung des Landgerichts Bonn.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Wettbewerbszentrale ging gegen eine Apotheke vor und forderte Unterlassung verschiedener Werbeaussagen. In einem Beitrag auf ihrer Website bewarb die Apotheke eine Treue-Punkte-Aktion, bei der Kunden sog. &#8220;Taler&#8221; sammeln und anschlie\u00dfend gegen Pr\u00e4mien eintauschen konnten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\" alt=\"Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like Wettbewerbsversto\u00df Wettbewerbsrecht UWG\" width=\"413\" height=\"275\" \/><\/a>Im Rahmen dieser Aktion warb die Apotheke damit, dass die Kunden im Gegenzug zu einem Facebook-Like auf je zwei Taler erhalten sollten. Das Motto lautete also: Gegenleistung f\u00fcr Facebook-Like.<\/p>\n<p>In dieser Werbung sah die Wettbewerbszentrale einen Versto\u00df gegen das <a href=\"https:\/\/avantcore.de\/en\/areas-of-law\/competition\/\">Competition Law<\/a>. Die Ank\u00fcndigung, f\u00fcr Facebook-Likes gleich zwei, statt einem &#8220;Taler&#8221; zu vergeben, sei wettbewerbswidrig. \u00c4u\u00dferungen Dritter in Form der Facebook-Likes wirkten in der Werbung objektiv und w\u00fcrden daher in der Allgemeinheit h\u00f6her bewertet als eigene \u00c4u\u00dferungen des Werbenden.<\/p>\n<p>Die Wettbewerbszentrale war der Auffassung, dass die Werbung mit bezahlten Empfehlungen unzul\u00e4ssig sei. Denn die Apotheke verg\u00fcte mit ihren &#8220;Talern&#8221; insoweit die Abgabe einer Wertsch\u00e4tzung, die nicht objektiv sei.<\/p>\n<p>Die Wettbewerbszentrale mahnte die Apotheke sodann ab und forderte sie zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserkl\u00e4rung auf. Da die Apotheke dem nicht nachkam, erhob die Wettbewerbszentrale Klage beim LG Bonn.<\/p>\n<h2>Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like unzul\u00e4ssig<\/h2>\n<p>Das LG Bonn (<a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/2318090.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urteil vom 04.12.2020, Aktenzeichen 14 O 82\/19<\/a>) entschied, dass die Praxis der Gew\u00e4hrung einer Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like irref\u00fchrend ist und somit einen Wettbewerbsversto\u00df darstellt.<\/p>\n<p id=\"rdnr80\" class=\"ctbl pbif\">Dazu verwiesen die Richter auf die in der Rechtsprechung entwickelten Grunds\u00e4tze zu Bewertungen. In der Rechtsprechung sei anerkannt, dass eine Werbung mit bezahlten Empfehlungen Dritter unzul\u00e4ssig sei, wenn dieser Umstand nicht offengelegt werde.<\/p>\n<p class=\"ctbl pbif\">Denn \u00c4u\u00dferungen Dritter wirkten in der Werbung objektiv und w\u00fcrden daher im Allgemeinen h\u00f6her bewertet als eigene Aussagen des Werbenden. Ein Kunde, der eine Empfehlung ausspreche, m\u00fcsse daher in seinem Urteil frei und unabh\u00e4ngig vom Werbenden sein.<\/p>\n<h2>Facebook-Likes und Bewertungen sind vergleichbar<\/h2>\n<p class=\"ctbl pbif\">Diese Grunds\u00e4tze \u00fcbertrug das LG Bonn auch auf den Facebook-&#8220;Like-Button&#8221;. Auch diesem wohne eine positive Bewertung inne, auch wenn er nicht mit einem weiteren Text verbunden sei und mit der Abgabe von &#8220;Likes&#8221; keine \u00fcberpr\u00fcfbaren Tatsachen verbunden seien.<\/p>\n<p class=\"ctbl pbif\">In diesem Zusammenhang verwiesen die Richter auf die grunds\u00e4tzliche Bedeutung von Facebook-Likes: Die Zahl der &#8220;Likes&#8221; spiegele im allgemeinen Bewusstsein schon eine gewisse Beliebtheit wider, die mittelbar auch auf eine Kundenzufriedenheit schlie\u00dfen lasse.<\/p>\n<p>Weiter wies das Gericht darauf hin, dass unerheblich sei, ob zur Einl\u00f6sung der &#8220;Taler&#8221; m\u00f6glicherweise noch weitere eigene finanzielle Mittel eingesetzt werden m\u00fcssten. Denn damit werde der Vorteil der Taler nicht in Frage gestellt.<\/p>\n<p class=\"ctbl pbif\">Schlie\u00dflich stellte das LG Bonn die angebotene Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like auf dieselbe Stufe wie die ebenfalls wettbewerbswidrige Werbung mit gekauften Likes.<\/p>\n<h2>Conclusion<\/h2>\n<p>Die Werbung mit Gew\u00e4hrung einer Gegenleistung f\u00fcr einen Facebook-Like einer Facebook-Unternehmensseite ist irref\u00fchrend und stellt damit einen Wettbewerbsversto\u00df dar.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch eine hohe Anzahl von Facebook-Likes k\u00f6nnen H\u00e4ndler bei Verbrauchern m\u00e4chtig Eindruck schinden. 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