{"id":15607,"date":"2020-06-09T11:54:45","date_gmt":"2020-06-09T09:54:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kpw-law.de\/?p=15607"},"modified":"2025-10-08T12:43:53","modified_gmt":"2025-10-08T10:43:53","slug":"arztbewertung-fehlender-patientenkontakt-von-arzt-zu-beweisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avantcore.de\/en\/arztbewertung-fehlender-patientenkontakt-von-arzt-zu-beweisen\/","title":{"rendered":"Arztbewertung: Fehlender Patientenkontakt von Arzt zu beweisen!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine negative Arztbewertung von Personen, die in Wirklichkeit nie Kontakt mit dem bewerteten Arzt hatten, kann sich gesch\u00e4ftssch\u00e4digend auswirken. Die pauschale Verneinung eines Behandlungskontakts durch den Arzt reicht f\u00fcr einen Unterlassunganspruch jedoch nicht immer aus, wie das Brandenburgische Oberlandesgericht feststellte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Zahnarzt ging gegen eine negative Bewertung eines angeblichen Patienten auf einem Bewertungsportal f\u00fcr \u00c4rzte vor. Der Arzt reichte zun\u00e4chst eine Beschwerde gegen die ver\u00f6ffentlichte Arztbewertung bei dem Portalbetreiber ein. Diese begr\u00fcndete er damit, dass ihm ein solcher Behandlungsfall in dieser Form nicht bekannt sei. Die \u00c4rztebewertungsplattform forderte den Verfasser der Bewertung sodann auf, Nachweise f\u00fcr den Behandlungskontakt vorzulegen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/avantcore.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/rrw.png\" alt=\"Arztbewertung\" width=\"550\" height=\"275\" \/><\/a>Der Verfasser der Arztbewertung gab den Zeitraum an, in welchem er Patient beim bewerteten Zahnarzt gewesen sei. Zudem schilderte er weitere Details des Behandlungskontakts und reichte eine Rechnung ein. Auf Basis dieser Informationen stellte die Plattform die Bewertung wieder online, nachdem sie kurzzeitig offline genommen wurde.<\/p>\n<p>Auf eine Abmahnung des Arztes entgegnete die Bewertungsplattform, dass der Pr\u00fcfprozess abgeschlossen sei und sie die Patienteneigenschaft als ausreichend nachgewiesen ansehe. In der Folgezeit fragte der Plattformbetreiber nochmals bei der bewertenden Person nach weiteren Belegen im Hinblick auf die durchgef\u00fchrte Behandlung. Der Verfasser der Arztbewertung reichte darauf den Kostenvoranschlag eines Dentalkeramikers aus April 2013 zusammen mit einem Begleitschreiben des Heil &#8211; und Kostenplans des Zahnarztes aus Mai 2013 nach.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich verklagte der Zahnarzt das \u00c4rztebewertungsportal auf Unterlassung. Der Arzt behauptete, der Bewertende sei nie Patient bei ihm gewesen, so dass die Bewertung keine wahre Tatsachengrundlage habe. Er k\u00f6nne sich nicht an einen Behandlungskontakt erinnern, er sei auch aus seiner Patientenkartei nicht zu entnehmen.<\/p>\n<h2>LG Potsdam: Keine Verletzung von Pr\u00fcfpflichten<\/h2>\n<p>Die erste Instanz (LG Potsdam, 04.09.2019, Az. 2 O 223\/18) wies die Klage des Zahnarztes gegen die negative Arztbewertung ab. Das Gericht machte deutlich, dass der Betreiber des \u00c4rztebewertungsportals seiner Pr\u00fcfpflicht gen\u00fcgte. So sei die bewertende Person zur Stellungnahme und zum Einreichen von Belegen f\u00fcr das Bestehen eines Behandlungskontaktes mit dem bewerteten Arzt aufgefordert worden. Weiter sei die streitgegenst\u00e4ndliche Bewertung zun\u00e4chst von der Plattform genommen worden.<\/p>\n<p>Durch die von dem \u00c4rztebewertungsportal vorgelegten Unterlagen sei ein Behandlungskontakt ausreichend plausibel nachgewiesen worden. Zudem betonte das Gericht, dass das \u00c4rztebewertungsportal nicht zur Offenlegung der Kontaktdaten des Bewertenden gegen\u00fcber dem klagenden Arzt verpflichtet sei.<\/p>\n<div class=\"col\">\n<div id=\"center_col\">\n<div id=\"res\" class=\"med\" role=\"main\">\n<div id=\"search\">\n<div data-ved=\"2ahUKEwjuus7j9-fpAhVJ_qQKHdlPBCcQGnoECBUQKQ\">\n<div id=\"rso\" data-async-context=\"query:olg%20brandenburg\">\n<div class=\"g\" data-hveid=\"CAEQAA\" data-ved=\"2ahUKEwjuus7j9-fpAhVJ_qQKHdlPBCcQyDgoAHoECAEQAA\">\n<div class=\"rc\" data-hveid=\"CAEQAQ\" data-ved=\"2ahUKEwjuus7j9-fpAhVJ_qQKHdlPBCcQFSgAMAB6BAgBEAE\">\n<div class=\"r\">\n<h2>Arztbewertung: Der Arzt ist in der Pflicht<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Auch die Berufung des Zahnarztes (<a href=\"http:\/\/www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de\/jportal\/portal\/t\/279b\/bs\/10\/page\/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=1&amp;numberofresults=1&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=KORE209942020&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0#focuspoint\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brandenburgisches Oberlandesgericht, Beschl. v. 05.03.2020, Az. 1 U 80\/19<\/a>) wurde zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Der Zahnarzt habe das Fehlen eines Behandlungskontakts nicht hinreichend dargetan. Das \u00c4rztebewertungsportal hingegen sei seiner sekund\u00e4ren Darlegungspflicht durch das Einholen der Informationen zum Behandlungskontakt nachgekommen. Eine Umkehr der Beweislast finde in diesen F\u00e4llen nicht statt. Das pauschale Bestreiten eines Behandlungskontakts ohne substantiierte Auseinandersetzung, wie es der Arzt getan habe, gen\u00fcge hingegen nicht.<\/p>\n<h2>Conclusion<\/h2>\n<p>Pauschales Bestreiten eines Behandlungskontakts ohne weitere Glaubhaftmachung reicht nicht immer aus, um die L\u00f6schung einer negativen Arztbewertung zu erreichen, insbesondere wenn der Bewertende Belege f\u00fcr den Kontakt vorlegt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine negative Arztbewertung von Personen, die in Wirklichkeit nie Kontakt mit dem bewerteten Arzt hatten, kann sich gesch\u00e4ftssch\u00e4digend auswirken. 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